Dienstag, 22. April 2014

Gedanken zur "Zwangsräumung"

Hätte mir jemand vor ein paar Wochen gesagt, daß ich den ET dermaßen überschreiten werde, ich hätte es vermutlich nicht geglaubt. Nach einer Bilderbuchschwangerschaft ist man irgendwie so verwöhnt, daß man automatisch davon ausgeht, daß auch die Geburt eine absolute Bilderbuchgeburt wird: Eintreten der Wehen, ab ins Krankenhaus, innerhalb weniger Stunden relativ schmerzfrei ein kerngesundes und wunderschönes Baby zur Welt bringen, Bonding, Stillen, bis zur U2 im Krankenhaus bleiben, ab nach Hause, Betreuung durch die Nachsorge-Hebamme...alles wunderbar. So jedenfalls der Plan in meinem Kopf.

Die Realität zeigt sich dann doch anders, wie ich ja schon hier auf meinem Blog berichtet habe. Plötzlich stehst du am Ende der 41. Schwangerschaftswoche, an der Schwelle zur 42. SSW. Und du stellst fest, daß seit einigen Tagen nichts mehr läuft, wie geplant.

Dein Gynäkologe ist in  Urlaub und urplötzlich kriegst du alle möglichen und unmöglichen Symptome, Leiden und Schmerzen. Du läufst jeden 2. Tag in den Kreißsaal, um dort ans CTG angeschlossen zu werden und danach per Ultraschall untersucht zu werden.

Und dann steht die 42. SSW vor der Tür und die Intervalle werden kürzer. Dann heißt es plötzlich, täglich ans CTG, täglich per Ultraschall die Versorgung des Babys checken. Und bei ET +6 ist es zwangsläufig so weit - du siehst dich dem Thema Weheneinleitung gegenüber stehen. Oder, wie mein Vater es so schön formulierte, "Zwangsräumung". (Seien wir mal ehrlich, diese ganze Situation lässt sich wirklich nur mit Galgen-Humor durchstehen. Und zum Glück bin ich da mit einer guten Portion Selbstironie gesegnet und auch meine Familie weiß, wie sie mich mit so kleinen Frozeleien aufheitern kann.) Und du überlegst....Ja oder Nein? Jetzt oder später? Kann ich noch warten? Psychisch? Physisch? Will ich noch warten? Will ich meinem Baby die Zeit geben, sich selber auf den Weg zu machen? Kann ich wirklich noch so lange durchhalten?

Zum Glück habe ich mich für ein Krankenhaus entschieden, in dem ich mich wohl fühle und in dem man der werdenden Mutter zuhört...ihre Sorgen und Ängste wahrnimmt und ernst nimmt...
Denn ich finde es durchaus nicht einfach, mich einfach so für oder gegen die Einleitung der Wehen zu entscheiden...da schlagen 2 Herzen in meiner Brust....Ich möchte meinem Baby so gerne die Zeit geben, selber seinen Weg auf diese Welt zu finden. Aber auf der anderen Seite bin ich mittlerweile körperlich und psychisch wirklich am Ende und fühle mich kaum in der Lage, noch bis ET +10 abzuwarten...

Hebamme und Gynäkologin im Krankenhaus haben mir dann vorgeschlagen, daß wir es erst einmal mit einem "Mittelding" versuchen könnten. Nicht direkt die "Zwangsräumung", sondern erst ein "sanftes Anschubsen" mit homöopathischen Mitteln. Da ich der Homöopathie ohnehin sehr offen gegenüber stehe und lieber erst einmal versuche, alles sanft zu behandeln, bevor die Chemiekeule kommt, scheint mir ein "sanftes Anschubsen" ein guter Mittelweg....So kann ich meinen Bauchzwerg sanft in Richtung Geburt bringen und gucken, was passiert. Und wenn das nicht hilft, kann man immer noch beginnen, die "Zwangsräumung" einzuleiten...
Das scheint mir eine Lösung zu sein, die sowohl mir, als auch dem Bauchzwerg entgegen kommt. Und meinem Lieblingsmenschen natürlich auch, denn der hat es sicherlich nicht leicht mit mir, seitdem wir uns im Übertragungsmodus befinden.

Jetzt heißt es also überlegen, abwägen..., um dann gemeinsam eine Entscheidung treffen zu können...über das Wie und das Wann...